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(msc) Audi ist auf einem guten Weg. Auf einem sehr guten sogar. Davon ist nicht nur der Chef des Premiumherstellers, Rupert Stadler, zutiefst überzeugt. Am Rande des Grand Prix Historique in Monaco stand er Journalisten Rede und Antwort. Auf Deck der Yacht „Darling Danama“ sprach er im malerischen Hafen des Fürstentums, während draußen Rennfahrerlegenden wie Jacky Ickx auf dem berühmten Auto Union Typ C „Silberpfeil“ über die Piste rasten, über seine Absatzerwartungen, die für dieses Jahr bei 1,4 Millionen liegen, warum gerade Mexiko als Standort für das neue Werk in Nordamerika ausgewählt wurde und seine Pläne mit Ducati.
Angesichts der aktuellen Zahlen: Wird Audi das Absatzziel von 1,5 Millionen Fahrzeugen, das ursprünglich für 2015 anvisiert war, schon im Jahr 2013 erreichen?
Rupert Stadler: 2013 wird das nicht passieren. Dafür gibt es insbesondere in Europa zu viele Unwägbarkeiten. Aber dass wir in diesem Jahr sicher eine tolle Absatzzahl hinkriegen, das steht außer Zweifel. Wir haben im vergangenen Jahr und erstmals in der Unternehmensgeschichte über 200 000 Einheiten mehr verkauft. Das werden wir in diesem Jahr nicht schaffen. Aber 100 000 Einheiten mehr sind sicherlich drin. Die ersten vier Monate sind gut verlaufen. Wir hatten rund elf Prozent Zuwachs. In vielen Märkten wie USA, Südamerika, China oder Russland läuft es sehr gut. Innerhalb Europas sind die Märkte Italien und Spanien im Augenblick etwas schwierig. Die sind dramatisch eingebrochen. Dennoch sind wir mit der Situation noch relativ gut umgegangen.
Die Absatzzahlen beim A4 waren aber nicht so überzeugend.
Stadler: Da ist auch ein starker neuer Wettbewerber im Rennen, der Impulse gibt. Das ist halt so im Leben. Bei uns ist das der A6. Da liegen wir auch über dem 5er BMW. Dennoch: Die Produktaufwertung des A4 wurde supergut angenommen. Der Auftragsbestand auch innerhalb von Europa ist gut. Wir haben aber leider noch die eine oder andere Lieferverzögerung, weil beispielsweise Getriebe gerade im Automatikbereich derzeit etwas knapp sind.
Warum baut Audi sein neues Werk für Nordamerika in Mexiko und nicht in den USA?
Stadler: Wir haben uns die Entscheidung für Mexiko wahrlich nicht einfach gemacht. Es ist ja auch ein sehr komplexes Unterfangen, wenn man die Entscheidung für ein neues Werk trifft. Wir haben einen Standort gesucht, an dem wir mit einem Produkt sicherstellen können, dass wir wettbewerbsfähig den Weltmarkt versorgen können.
Mexiko ist da hochattraktiv. Erstens sind die Fertigungslöhne im Vergleich zu den USA und auch zu Europa niedrig. Eine Fertigungsstunde in Mexiko kostet rund acht bis neun Euro. In den USA sind wir bei 35 bis 40 Dollar und in Europa mittlerweile bei 50 Euro. Wenn Sie ein Produkt weltweit vermarkten wollen, dann müssen Sie sich fragen, in welche Märkte das Fahrzeug gehen soll und wie dort die Bedingungen sind. Mexiko hat Zollabkommen mit unterschiedlichen Ländern. Richtung Südamerika, Richtung Europa und auch Richtung Nordamerika. Das heißt, aus Mexiko heraus können Sie zollfrei exportieren. Aus den USA nach Süd-amerika indes zahlt man 35 Prozent Zoll. Und nach Europa etwa zehn Prozent. Da wir mit einem Q5 nach Nordamerika gehen wollen, ist Mexiko einfach der bessere Standort. Wir bekommen damit deutlich bessere Wettbewerbskonditionen, sind also viel agiler, wenn es um die Marktpositionierung geht. Ich glaube, wir haben mit dieser Entscheidung unternehmerisch den richtigen Schritt gemacht. Was die Produktion betrifft, ist Mexiko mittlerweile der achtstärkste Weltmarkt. Kompetenz ist vorhanden und die Standortbedingungen sind attraktiv. Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht für eine Produktion von anfangs 150 000 Einheiten. Mit der Option, diese langfristig noch einmal deutlich zu erhöhen. In Chattanooga hat VW noch eigene Pläne. Und bei diesem Gesamtszenario ist es einfach interessanter, dass Audi sein eigenes Werk in Mexiko baut. Final ist die Entscheidung sowohl im Audi-Aufsichtsrat als auch im VW-Aufsichtsrat so getragen worden.

Wo genau wird das Werk entstehen?
Stadler: Wir haben drei, vier Möglichkeiten, wo wir das Werk bauen könnten. Wir werden jetzt mit den jeweiligen Provinzregierungen die Gespräche darüber aufnehmen, welche Art von Unterstützung wir bekommen. Für Kompetenzaufbau, Schulung, Training und so weiter. Und zum Schluss wird das beste Paket ausgewählt.
Sollen auch weitere Modelle in Mexiko gefertigt werden über den Q5 hinaus?
Stadler: Da gibt es im Augenblick keine weiteren Pläne. Wir haben erst mal alle Hände voll zu tun, eine Fabrik für 150 000 Einheiten hinzustellen. Das bedeutet Presswerk, Montage, Karosseriebau, Lackiererei. Und die wird so ausgerichtet sein, dass sie spiegelbar ist.
Das bedeutet, dass man beispielsweise neben die Lackiererei noch mal eine Lackiereinheit dransetzen kann, ohne in irgendeiner Form Zusatzinvestitionen auszulösen. Die Fertigung wird also relativ simpel verdoppelbar sein. Die gleichen Optionen hätten wir auch in Chattanooga gehabt. Aber wir haben genügend Ideen innerhalb des Volkswagenkonzerns, um das, was wir jetzt anschieben, auch sauber zu belegen. Dass die Marke Audi in den USA ein riesiges Wachstumspotenzial hat, das ist für mich sonnenklar. Die Kernfrage ist, wie bekommt man genügend unternehmerische Stabilität, um auch weitere Produkte aus Europa dort vermarkten zu können.
Wo liegt die Fantasie beim Kauf von Ducati? Werden die Motorräder über das Audi-Netz vertrieben?
Stadler: Die Kontakte zu Ducati sind ja schon ein bisschen älter. Es gab schon vor 20 Jahren Gespräche. Dann vor drei oder vier Jahren erneut. Allerdings hätten wir damals nur 40 oder vielleicht 50 Prozent der Anteile haben können. Und ich habe gesagt: Das interessiert mich nicht. Entweder das Ganze oder gar nichts. Sonst kann man nichts entwickeln. Erst in den letzten vierzehn Monaten hat es sich ergeben, dass der Investor bereit war, die Anteile zu verkaufen. Wir haben die Firma genau geprüft. Und es hat sich bestätigt: Ducati ist wohl die wertvollste und attraktivste Marke im Zweiradsektor. Was die Positionierung der Marke anbelangt, ist sie eigentlich top of the range. Das Unternehmen verdient trotz einer Motorradkrise seit 2007 (bei Motorrädern über 500 Kubikzentimeter) gutes Geld. Ducati ist gut durch die Krise gesteuert. Wenn wir uns die Expansionspläne dieser Firma anschauen, dann sind die durchaus ambitioniert. Ducati verkauft heute 240 000 Motorräder und macht 500 Millionen Euro Umsatz. Und die Rendite ist in dem Bereich, den wir haben. Diese Expansionspläne waren für uns plausibel. Die gehen in Richtung Asien und in Richtung Brasilien. Die zielen auch in den nächsten ein, zwei Jahren nach Indien. Natürlich mit eigenen Montagewerken. In Thailand besteht schon eine eigene Montage und in Brasilien wird man im Sommer mit der Fertigung beginnen. Die Wachstumspläne sind ambitioniert, aber erreichbar. Wir werden natürlich den einen oder anderen Händler bei uns fragen, ob er Lust hat, den Vertrieb von Ducati-Motorrädern zu übernehmen. Denken Sie nur mal an China. Wir haben in China heute 230 Händler und werden bis Ende 2013 etwa 400 haben. Wenn wir nur fünf Prozent unserer Händler für die Marke Ducati begeistern können, hätten wir ein gigantisches Netz. Das kriegt eine kleine Marke alleine so schnell gar nicht hin. Wenn wir weiter schauen, wie sich die Metropolmobilität in den nächsten 15 oder 20 Jahren entwickelt, dann ist langfristig nicht auszuschließen, dass da das eine oder andere entsteht. Ein E-Scooter beispielsweise. Ich bin mit so etwas selber schon gefahren. Die haben ein irres Drehmoment und eine supersportliche Note. So etwas kann man sich in der Stadt gut vorstellen. Das Spiel ist offen.
Wie positioniert sich Audi in Sachen E-Mobilität?
Stadler: Wir haben in Peking unseren A6 Plug-In-Hybrid vorgestellt. Wenn wir über das Premiumgeschäft in China reden, ist das wohl die beste und wertvollste Alternative überhaupt. Wir haben unsere Plug-In-Hybrid-Strategie festgelegt. Und ich glaube, dass wir damit gut aufgestellt sind. Rein elektrische Fahrzeuge haben heute einfach ein Limit. Und dieses Limit heißt Reichweite. Wenn unsere Hybridmodelle 50 Kilometer rein elektrisch fahren und eine Gesamtreichweite von 600 Kilometer haben, dann ist das für den Kunden die allerbeste Lösung. Ich bin überzeugt, dass wir mit dem kommenden A3 Hybrid das beste Konzept haben.
Welche Konzeption steckt dann hinter dem A2?
Stadler: Der A2 wird sehr spannend, weil er mit einer rein elektrischen Lösung, so wie wir sie heute kennen, preislich aus dem Rahmen fallen würde. Die Kernfrage wird sein: Ist der Kunde bereit, 40 000 Euro oder mehr für ein elektrisches Fahrzeug mit einer Reichweite von 100 bis 120 Kilometern hinzulegen? Der A2 wird von der Antriebstechnologie sicherlich mehr Reichweite bieten müssen. Das ist unsere Vision.
Mit einem Range Extender vielleicht?
Stadler: Ein Range Extender vielleicht. Aber wir können ja philosophieren, welche Art von Range Extender. Da sind unterschiedliche Konzepte denkbar. Und gehen Sie mal davon aus, die prüfen wir gerade. Ein rein elektrisches Auto wäre jedenfalls zu kurz gesprungen. Wie viele Elektroautos haben wir denn im letzten Jahr in Deutschland verkauft? 2700. In China 7000, glaube ich. Das ist kein Brüller.
