Horst Seehofer: Beitritt auf Bierdeckel
- Details
- Veröffentlicht am Montag, 19. Dezember 2011 01:15
Vor 40 Jahren trat Horst Seehofer in die CSU ein.
Hermann Regensburger ist schuld. Der Staatssekretär a. D. war es, der anno 1971 als JU-Vorsitzender am Kirchweihmontag von einem infolge Alkoholkonsums nicht mehr geschäftsfähigen jungen Mann auf einem Bierdeckel eine Unterschrift erschlich. Der junge Mann, der nicht mehr Herr seiner Sinne war, hieß Horst Seehofer und wurde auf diese Art und Weise vor 40 Jahren CSU-Mitglied.
Doch Hermann Regensburger war gnädig. Weil ein offizielles Beitrittsformular fehlte und er und sein Neumitglied Horst am Kirchweihmontag alles andere als nüchtern waren, billigte er dem nunmehrigen Ministerpräsidenten ein Rücktrittsrecht zu. Seehofer machte nicht davon Gebrauch und wurde durch die Nichtausübung eines ihm zustehenden Rechts schließlich Ministerpräsident und Präsident des Bundesrats (in dieser Funktion begrüßte ihn auch der Ortsverbandsvorsitzende Hans-Jürgen Binner). Den Bierdeckel mit Seehofers Beitrittserklärung hätte er, so Hermann Regensburger hintergründig, gern dem Landesmuseum für Bayerische Geschichte in Ingolstadt übergeben. Aber leider werde ja das Museum in Regensburg angesiedelt (worür sich auch Horst Seehofer zum Unwillen der örtlichen CSU ausgesprochen hat) und den Regensburgern würde er den Bierdeckel niemals geben. Da käme schon eher eine Versteigerung bei ebay zur Finanzierung von Feiern bei der CSU in Betracht. Doch: "Leider habe ich den Bierdeckel nicht mehr" beichtete er am Schluss.
Der sichtlich gut aufgelegte Hermann Regensburger dankte Horst Seehofer im Namen der CSU und des Parteivorsitzenden (der Seehofer ja selbst ist) für dessen 40-jährige Parteizugehörigkeit. Die Ehrenurkunde für dieses Jubiläum, so Regensburger, habe sich Seehofer selbst unterschrieben.
Auch Ministerpräsident Horst Seehofer, der sein Parteijubiläum sicher im Kreise der CSU-Granden in München hätte feiern können, aber die familäre Atmosphäre in Gerolfing bevorzugte, blickte humorvoll auf seine Parteizugehörigkeit zurück: "Gott sei Dank ist dieses Bild nicht mehr aufgetaucht" schmunzelte er und erzählte, dass er Anfang der 70er Jahre in München wegen der Gebietsreform gegen seinen damaligen Ministerpräsidenten Alfons Goppel und die CSU-Politik protestiert und sodann als pfeifender Demonstrant das Titelbild der Abenzeitung geziert habe.
"Damals war alles auch viel geselliger als heute. Da sind wir uns beim Ausparken gegenseitig in die Autos gefahren. Nicht mit Absicht, sondern ...." Und Seehofer bekannte sich auch dazu, als Mitarbeiter des damals noch existierenden Landkreises Ingolstadt (für dessen Erhalt er in München demonstriert hatte) den Generalschlüssel versiebt zu haben. Bei einem geselligen Beisammensein am Wochenende erhielt er vom Vater eines jetzt Floßfahrten veranstaltenden Eventunternehmers einen Stoß und fiel samt Schlüssel in die Donau. Während er bald wieder auftauchte, blieb der Schlüssel verschollen und der heutige Ministerpräsident schlich am Montag geknickt zu seinem Dientherrn, um das Missgeschick zu beichten. Auch Führerscheinformulare sollen bei dieser Gelegenheit flussabwärts Fahrt aufgenommen haben und nie wieder aufgetaucht sein.
Die Ehrung Horst Seehofers und anderer verdienter CSU-Mitglieder (darunter Sofie Hirsch, die laut Seehofer die meisten Parteiausschlussverfahren unbeschadet überstanden hat) war der heiter-familiäre Teil der Weihnachtsfeier des CSU-Ortsverbandes West. Besinnlicher war es anfangs, als die Stubnmusi (Gertraud Koller, Gertraud Schneider und Gertrud Lindler) spielte und Paul Mayer, Irene Essenbach (die auch für den Saalschmuck im historischen Gasthaus Meierbeck gesorgt hatte) und Christa Geberl weihnachtliche Texte vortrugen.
Politisch geprägt war die anfängliche Begrüßungsrede von Hans-Jürgen Binner (mit neuer Brille, vermutlich von Armani). Der Ortsverbandsvorsitzende blickte nicht unkritisch auf das vergangene Jahr zurück und erinnerte an den von ihm vorhergesagten Abgang des schnell aufgestiegenen und verglühten Sterns am Politikhimmel, Karl-Theodor zu Guttenberg. "Das war ein Meister der Politikshow und die CSU war für ihn Mittel zum Zweck" merkte Binner kritisch an. Seinen Parteivorsitzenden lobte er als denjenigen, der die Energiewende in Deutschland als Erster vorangetrieben habe. Auch lokale Themen wie Dorfplatz und Bürgerhaushalt berücksichtigte Binner, der den gelungenen Abend nicht nur eröffnete sondern auch mit den Schlussworten beendete.
Zur Ehrung waren geladen (einige konnten aber nicht kommen): Xaver Lechermeier, Johann Schillinger (beide 50 Jahre dabei), Xaver Ostermaier, Horst Seehofer, Theo Hölzl (40 Jahre) Georg Stark (30 Jahre), Sofie Hirsch und Alfred Achhammer (25 Jahre). (Text: hk/Fotos: Kajt Kastl)
Very Simple Image Gallery:
Could not find folder /home/kaebstatt/public_html/images/galerie/2011/12/20111218_csu/
Ihr gewähltes Bezahlmodell wird nach Ablauf der Zeit automatisch beendet.
Per Handy bezahlen
Nur Telefonnummer eingeben