Notizen aus der Provinz (24)
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- Veröffentlicht am Freitag, 15. Juni 2012 09:16

(msc) Ohne die richtige App ist man in den meisten Situationen des Lebens wahrlich aufgeschmissen. Ohne App bist du ein Depp sozusagen. Wenn ich wissen will, wo in Ingolstadt das Rathaus ist, greife ich zum Smartphone, starte die entsprechende App . . . und schon weiß ich es. Gut, ich wusste es auch schon vorher, aber jetzt habe ich es sozusagen amtlich. Man könnte diese Apps selbstredend auch als „Programme“ bezeichnen wie in der Gründerzeit des Computers. Aber das ist nun wirklich nicht mehr zeitgemäß.
Kein Mensch benutzt mehr ein Programm. Nicht mal die Parteien. Die CSU bastelt gerade an einer App, um das antiquierte Parteiprogramm zu ersetzen. Natürlich werden dadurch alleine die Inhalte auch nicht gerade sexy. Aber wenn Landesvater Seehofer schon seine Fans zur Facebookparty ins P1 nach München bettelt, dann muss man auch den Rest updaten, dann brauchen wir hier dringend eine eigene Genosko-App, die zeitgemäße Antwort auf Alfred Lehmanns Podcast sozusagen.
Podcast ist ein Begriff, oder? Hat Osama bin Laden erfunden. Ehrlich. Damals hießen die noch Videobotschaft und gingen direkt zur CIA. Alfred Lehmann war jedoch dem Vernehmen nach nie in einem pakistanischen Ausbildungscamp und hat sich das also alles selber beigebracht. Er dachte sich, was die Al Kaida kann, das können die Ingolstädter CSU und ich schon lange. Also Drohungen ausstoßen. Angst und Schrecken verbreiten. Über 100 solcher Podcast hat der OB jetzt schon rausgedonnert. Davon konnte Bin Laden nur träumen. Die von Herrn Laden haben allerdings mehr Menschen gesehen. Aber Masse ist halt nicht alles.
Man muss ja auch sagen, er ist überaus telegen. Also der Lehmann. Korrekt gekleidet, seriös, aufgeräumt. Gut, die Podcast-Folge mit dem FC-Fan-Schal über der Schulter erinnert ein klein wenig an die Filmchen, die Muammar Gaddafi so gerne gedreht hat. Aber ansonsten: Top. Und er hat sich auch gut gehalten, unser OB. Macht vermutlich die junge Ehe. So etwas hält frisch und macht einen schmalen Fuß. Obwohl? Stadtrat Paul Lindemann hat auch noch mal geheiratet, als er die Reiseflughöhe längst verlassen hatte, also erotisch. Und dennoch sieht der Oberbürgermeister aus wie eine Apfelsine von Jaffa und Paul Lindemann wie ein benutzter Teebeutel.
Bei der Klausurtagung der CSU-Fraktion am Gardasee sollen die „fratelli neri“, die schwarzen Brüder, wie man sie jenseits der Alpen zu nennen pflegt, tatsächlich erwogen haben, neben der Videobotschaft auch weitere Praktiken aus dem Marketing-Instrumentarium von Al Kaida zu nutzen.
Wobei die traditionellen Selbstmord-Attentate keine Mehrheit gefunden haben sollen. Vor allem deswegen nicht, weil es sich kaum einer zugetraut hat, die berühmten 72 Jungfrauen, die im Jenseits auf einen Märtyrer warten, auch einer artgerechten Verwendung zuzuführen.
Nein, war ein Scherz. Die gibts ja bei uns Christen gar nicht. Aber eine andere islamistische Praxis fand offenbar breite Zustimmung. Statt der bisherigen CSU-Newsletter will die Partei künftig auf Bekennerschreiben setzten. Zuerst wird ein städtebauliches Projekt so richtig versemmelt, wie der Rathausplatz oder der Viktualienmarkt.
Und dann taucht irgendwo bei der Presse ein Bekennerschreiben auf, das von der Opposition auf seine Echtheit hin überprüft wird. Und ein Durchschlag geht selbstredend an die FW, damit die sich, ohne eigene politische Gedanken entwickeln zu müssen, sofort anschließen können.
Ihr gewähltes Bezahlmodell wird nach Ablauf der Zeit automatisch beendet.
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