Nicht in der guten Stube

Bleibt für kommerzielle Veranstaltungen tabu: der Ingolstädter Rathausplatz.Foto: Schmatloch

(msc) Warum Franz Fischer kein Open-Air-Kino am Rathausplatz machen darf.

Der Rathausplatz ist nicht nur einer der umstrittensten Plätze der Stadt, sondern auch einer der beliebtesten, wenn es um Veranstaltungen geht. Nutzen dürfen die „gute Stube“ der Stadt allerdings nur wenige. Denn die Regeln, nach denen die Stadtverwaltung Zu- oder Absagen verteilt, sind rigide. Das bekam auch der Augsburger Kinobetreiber Franz Fischer jetzt zu spüren. Er wollte auf dem Rathausplatz ein Kino-Open-Air veranstalten, scheiterte jedoch an den „Gesetzen“ der Stadt.

Entsprechend sauer wirkt er auch, wenn man ihn auf das Thema anspricht. „Ich sage gar nichts dazu“, meint der Augsburger erkennbar genervt, „Open-Air-Kino am Rathausplatz ist für mich kein Thema. Damit beschäftige ich mich nicht.“ Dass er es machen wollte, steht indes außer Frage. Pressesprecher Gerd Treffer hatte ihm auch alternative Angebote gemacht, den Platz zwischen Sparkasse und Rathaus beispielsweise oder auch den Paradeplatz. „Ich habe ihm gesagt, dass die Stadt alle Anfragen sehr wohlwollend prüfen werde“, so Treffer.

Der Rathausplatz, die gute Stube der Stadt sozusagen, bleibe jedoch tabu. Zwar gäbe es keine eindeutige Satzung, aber den erklärten Willen der Stadt, nur ausgewählte Events zuzulassen. „Wir wollen keine kommerziellen Veranstaltungen auf dem Platz haben“, bringt es Gerd Treffer auf den Punkt, „alles, was Eintritt kostet, hat hier nichts verloren.“

Auch die Dauer der jeweiligen Veranstaltung spiele eine Rolle. Für ein bis drei Tage sei es kein Problem, den Platz zu buchen, nicht aber über Wochen. Und der Charakter der Veranstaltung müsse halt zum Rathausplatz passen. Deswegen hatte die Stadt ja auch dem Public Viewing auf dem Rathausplatz während der Europameisterschaft eine Absage erteilt.  

Bezüglich des Open Air habe die Stadt dem Augsburger Kinobetreiber signalisiert, jeden anderen Platz in der Stadt gerne wohlwollend zu prüfen. Der vor dem Rathaus indes bleibe tabu. Nicht zuletzt auch im Sinne der lärmgeplagten Anwohner.

In Ingolstadt steht zudem ein anderer Name für Kinovergnügen unter freiem Himmel: Janet Mengele. Sie veranstaltet im Turm Baur seit vielen Jahren ein Kino Open Air und wird das auch in diesem Jahr wieder tun, wie sie uns sagte. Vom 6. August bis zum 12. September will sie im Turm Baur Blockbuster und Kultfilme zeigen.

Ein zusätzliches Kino-Open-Air auf dem Rathausplatz würde sicher zu einem spürbaren Verdrängungswettbewerb führen. Denn zwei Veranstaltungen dieser Art, dafür ist Ingolstadt in jedem Fall zu klein.

Ein Herz und eine Seele: Bei der Pressekonferenz zur Wiedereröffnung der Altstadtkinos waren Kinobetreiber Franz Fischer (links) und Oberbürgermeister Alfred Lehmann noch bester Laune. Die scheint indes auf beiden Seiten etwas gelitten zu haben.Foto: Schmatloch


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