"Schau, ob Du uns findest!"

Es kommt Bewegung in die Innenstadt – und diesmal ist das wörtlich zu nehmen. Das 1. Internationale Tanzfestival bewegt im wahrsten Sinne die Altstadt, denn einer der Höhepunkte des Tanzfestivals wird das sogenannte "Physical Graffiti Project", ein Werk des freischaffenden Choreographen David Williams, sein. Tänzerin und Choreographin Yahsmine Macaira übernahm die Organisation dieser Veranstaltung. Die Auftritte werden sich um 13 Uhr und 16 Uhr jeweils im Zeitraum von einer Stunde durch die ganze Innenstadt bewegen.

Bruce Springsteen formulierte es ganz cool: "You go out every night and see what you've got." -

"Jede Nacht ist irgendwie anders, genau wie auch gleiche Bewegungsschritte bei den einzelnen Personen anders aussehen," so David Williams. Bereits seit zwei Monaten probt er für das Physical Graffiti Project. Das Konzept setzt sich aus Workshops (u.a. Musik, Kostüm, Tanz und Film) zusammen und getanzt wird fast überall, ob in Straßendurchgängen, am Rathausplatz oder einfach mitten auf der Theresienstraße.

In der ganzen Altstadt sind am Mittwoch Tänzer zu sehen. Eben dort wo niemand Zeit hat sich lange aufzuhalten. Senioren und auch Jugendliche ab 15 Jahren bilden eine homogene Tanzgruppe von neun bis 17 Tänzern, die unterschiedlichen Herkünfte der Teilnehmer lassen ein Netzwerk aus verschiedensten Kulturen entstehen. David Williams ist es wichtig, dass die Tänzer sich bei ihren Bewegungen frei und mit dem eigenen Körper vertraut fühlen. Die Auftritte zeigen Kommunikation zwischen Menschen, wie ein einfaches Händeschütteln. Diese einfachen Bewegungen sind dann der Ausgangpunkt eines Tanzes. Es entstehen Geschichten mit den Themen Liebe, Hass und Alltag. Wichtig ist dem Choreographen, dass der Auftritt nicht bei der einzelnen Person , sondern in der gesamten Gruppe funktioniert.

 

Alles Ansichtssache

 

"Wo du sitzt, ist das, was du siehst und manchmal müssen wir uns nur bewegen, um irgendwo anders hinzugehen und etwas anderes zu sehen." Die Tanzvorstellungen sind aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtbar. Ohne Musik bewegen sich die Tänzer in einem Raum. Es ist dem Zuschauer je nach Blickwinkel selbst freigestellt, welche Anordnung die Tänzer untereinander haben. Das Kostüm der Tänzer, ein weisses Hemd mit einem Graffiti Männchen, symbolisiert die Bedeutung des Physical Graffiti Projects. Ähnlich wie ein Graffiti Kunstwerk lässt sich auch das Physical Graffiti Project beschreiben: Manche Graffitis sind hässlich und wirken unordentlich. Andere sind klein und zärtlich, dass man einfach vorbeilaufen kann und sie nur in diesem einen Moment bemerkt. Diese Momente möchte David Williams festhalten. Die Tänzer wollen nicht viel Aufmerksamkeit auf sich lenken. Es genügt, wenn ein kleines Publikum ihren außergewöhnlichen Tanzstil bemerkt. Zudem entsteht bei den einzelnen Vorstellungen ein Spiegelbild zwischen den Menschen, die etwas tun bzw. auf etwas warten und denjenigen, die warten, dass irgendjemand etwas tut. Ein sogenannter Austausch zwischen Zuschauer und Performer: Wer schaut wen an und welche unterschiedlichen Reaktionen sind zu erwarten?

"Wir wollen uns mit der Stadt auseinandersetzen und wir wollen, dass die Menschen in der Stadt mitreden können."- Zusammen mit Yahsmine Macaira organisierte David Williams bereits die "Dance Shortcuts" im Kleinen Haus des Theaters Ingolstadt. Seine Tanzgruppen waren bereits in dem dem Projekt "Künstler an die Schulen" unter der Leitung von Matthias Neuburger zu sehen. Das Physical Graffiti Project fand bereits zwei mal (mit Unterstützung der Stadt) in Ingolstadt statt und vor kurzem auch bei den Lichtnächten in Eichstätt. David Williams wird dieses Jahr unter anderem noch in Nürnberg bei dem Stück "Peer Gynt" mitwirken. Wenn es den Choreographen im Februar wieder nach Ingolstadt verschlägt, will er mit seiner Tanzgruppe weiterhin am Physical Graffiti Project experimentieren. Also Augen auf und am Mittwoch Ausschau nach den weiß gekleideten Menschen halten!

 

Über David Williams:

Der Australier (40) absolvierte in seiner Heimatseine Tanzausbildung. 1991 kam er nach Deutschland und arbeitete ab 1994 auch als Choreograph. Bereits seit 2007 ist er freischaffender Choreograph. In den letzten 3 Jahren belebte er Ingolstadt mit seinem individuellen Tanzstil und freien Theaterstücken. David Williams arbeitet hauptsächlich mit Regisseuren und Schauspielern zusammen. Seine Inspiration sind Menschen und deren alltägliche Beziehungen zueinander. Das Ziel von David Williams ist es, mehr Tanz nach Ingolstadt zu bringen. Aber: Anders als es bisherige Tanzvorstellungen taten! (lb)

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