Eine Zierde für den Verein

In der vermeintlichen Idylle in Ingolstadt in den Jahren vor 1933 sucht Gustl Amricht, Kleinstädter, Zigarrenladeninhaber und Schwimmphänomen, die Nähe von Frieda Geier, erobert und heiratet sie. Die Paralellen zwischen der Romanfigur Frieda Geier und Marielusise Fleißer sind kaum zu übersehen, wenn man ihre Biographie mit dem Romaninhalt vergleicht.

 

Das bemerkenswerte Leben der Marieluise Fleißer:


1901 Marieluise Fleißer wird am 23. November in Ingolstadt geboren
1907 –1919 Schulzeit in Ingolstadt und Regensburg
1931 Roman Mehlreisende bzw. später Zierde für den Verein
1935 Heirat mit dem Tabakwarengroßhändler und früheren Verlobten Sepp Haindl.
1950 Wiedersehen mit Bertolt Brecht bei den Proben von „Mutter Courage“ an den Kammerspielen München. „Der starke Stamm“ wird von Schweikart für die Kammerspiele angenommen.
1953 Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
1961 23. Dezember: erste Verleihung des neu eingerichteten Kunstförderpreises der Stadt Ingolstadt an Marieluise Fleißer.
1973 Verleihung des Bayerischen Verdienstordens durch den damaligen Kultusminister Professor Hans Maier.
1974 2. Februar: Marieluise Fleißer stirbt in Ingolstadt
Weiter Informationen finden Sie unter www.fleißer.net.

 

"Eine Zierde für den Verein" von Marieluise Fleißer:

Ingolstadt. – Die Soldaten sind in der Stadt, der Schwimmverein trainiert. Aus der Donau wird ein Ertrinkender gezogen. Der kühne Lebensretter ist der Schwimmer Gustl, Held für einige Zeit. Frieda verliebt sich in ihn, vor allem in seinen Körper und seine geistige Haltung. »Genau gedacht ist das Wesentliche des Sportsmanns sein Sportsgeist, eine bestimmte Kampfeinstellung des Lebensgefühls. Vielleicht kann der Mann der geistigen Arbeit von den Methoden, die der Sportsmann durchführt, lernen.« (Marieluise Fleißer)

Frieda ist eine selbständige Frau, die für sich und ihre minderjährige Schwester sorgt. Sie fährt Auto, hat einen Beruf, raucht und sie bewegt sich männerlos durch die Stadt, was sie suspekt macht, eine Früh-Emanzipierte. In Gustl sieht sie den »gesunden Barbaren«, den »Kenner der Natur«, dass er ihr intellektuell unterlegen ist, stört sie nicht weiter. Doch bald stoßen die beiden Lebensentwürfe hart zusammen. Gustl will Frieda heiraten, er will an ihr Erspartes, welches er dringend für den kleinen Zigarettenladen in der Ingolstädter Innenstadt braucht. Und er will durch die Ehe eine unbezahlte Arbeitskraft gewinnen. Frieda besteht auf ihrer Selbständigkeit und die Beziehung geht zu Bruch.
 
Nun bleibt Gustl nichts anderes, als noch fanatischer zu trainieren. Die verletzten Emotionen panzern den Körper durch neue Muskeln. Das sportliche Training gehört zur Leib- und Lustfeindlichkeit des kleinbürgerlichen Milieus, es geht um die asketische und aggressive Disziplinierung des Körpers. Und die Konkurrenz schläft nicht, junge Schwimmer drängen nach, holen die Rekorde. Bald wird Gustl zum alten Eisen gehören. Und wer ist er, wenn er kein Schwimmer mehr ist?

Die unterdrückte Lust kehrt als unbeherrschte Aggression zurück, fast vergewaltigt Gustl Friedas minderjährige Schwester. Frieda und ihre Schwester verschwinden. Was bleibt ist der Verein und seine Zierde, der Gustl und eine sich disziplinierende Männerwelt an der Schwelle zum Dritten Reich. (Theater Ingolstadt)

 

Wenn Sie wissen wollen, wie es weiter geht, dann besuchen Sie am 15. Oktober die Uraufführung von eine „Zierde für den Verein“ nach dem Roman von Marieluise Fleißer im Kleinen Haus in Ingolstadt.

Infos: www.theater.ingolstadt.de (rm)


Jetzt weiterlesen? Bitte melden Sie sich an oder wählen Sie ein Modell zum Abruf





Ihr gewähltes Bezahlmodell wird nach Ablauf der Zeit automatisch beendet.

Jetzt kaufen
Per Handy bezahlen
Nur Telefonnummer eingeben

Diesen Beitrag mit anderen teilen