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„Ich bin kein Fremdkörper“
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- Veröffentlicht am Freitag, 27. Januar 2012 20:00

Gabriel Engert soll im Februar zum vierten Mal als Kulturreferent gewählt werden
18 Jahre ist er nun schon im Amt. Und im Februar steht die Wiederwahl von Gabriel Engert als Kulturreferent von Ingolstadt an. Unser Redakteur Michael Schmatloch sprach mit ihm über seine Pläne und seinen Blick auf die Kulturlandschaft Ingolstadt.
Nach dem eben entschiedenen Wettbewerb für das neue Museum für Konkrete Kunst kursiert in einigen Foren die Frage, ob die veranschlagten 15 Millionen Euro nicht an anderer Stelle besser aufgehoben wären.
Engert: Ich bin der Meinung, dass das Geld für das Museum richtig eingesetzt ist. Eine Stadt lebt ja auch stark von ihrem kulturellen Angebot. Im Kulturbereich spielt sich sehr viel ab, das man als die Reflexionsebene einer Gesellschaft bezeichnen könnte. Wo eine Gesellschaft über sich selber nachdenkt. Eine Gesellschaft, die das nicht tut, verliert ganz viel von ihrer humanen Qualität. Deshalb sind solche kulturellen Institutionen für mich ein ganz wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens.
Um die Museumslandschaft zu vervollständigen, ist ja auch das Donaumuseum im Gespräch. Wieso braucht ausgerechnet eine Stadt wie Ingolstadt, die mit der Donau absolut nichts am Hut hat, ein Donaumuseum?
Engert: Ich weiß nicht, ob die Stadt mit der Donau was am Hut hat. Aber sie liegt an der Donau. Die Beziehung zwischen Stadt und Donau ist eine schwierige. Sie ist anders als in anderen Städten, die an der Donau liegen. Ingolstadt hat sich von der Donau immer abgewandt. Das hat sich städtebaulich auch abgebildet. Es ist gerade heute eine unheimliche Chance für die Stadt, mit der Donau zu arbeiten und sich zur Donau hin zu öffnen. Und ein naturkundliches Museum, das die Donau zum Thema hat, ist sicherlich ein attraktives Angebot, das auch von Publikumsschichten wahrgenommen wird, die nicht unbedingt in ein Kunstmuseum gehen würden.
Wenn Sie Ihre Arbeit seit dem Antritt als Kulturreferent betrachten: Wie hat sich Ingolstadt kulturell verändert? Was waren die Highlights, was die Flops?
Engert: Verändert hat sich relativ viel, weil die Stadt gewachsen ist und mit ihr das Kulturangebot. Wir haben versucht, die Kulturlandschaft zu erweitern. Da haben natürlich auch andere mitgespielt wie zum Beispiel
Audi und die ganzen kulturellen Vereine, die ihren Beitrag leisten. Insgesamt haben wir ein sehr lebendiges, vielfältiges Kulturleben. Wenn ich sagen sollte, was das größte Highlight war, müsste ich nach 18 Jahren Amtszeit erst mal ein bisschen nachdenken.
Geht es bei den Flops vielleicht etwas schneller?
Engert: Wir haben ganz am Anfang meiner Amtszeit im Klenzepark in einem Zelt im Rock- und Popbereich agiert und sind mit dem Ergebnis nicht hundertprozentig zufrieden. Das war etwas, das wir gleich wieder eingestellt haben, weil wir gemerkt haben, dass es da an einigen Stellen klemmt.
Ist die Kulturszene in Ingolstadt bunt genug oder gibt es da noch Lücken?
Engert: Eine Kulturszene ist nie bunt genug. Sie lebt immer davon, dass sie sich weiterentwickelt und dass sich auch Schwerpunkte verändern. Wir entwickeln im Augenblick den Museumsbereich gezielt weiter. Was mir unheimlich am Herzen liegt, ist das Thema „Halle 9“ am Hauptbahnhof und der ganze Bereich Jugendkultur. Das ist ein Schwerpunkt, an dem ich gerne noch ein wenig weiterarbeiten würde.
Es gibt auch deutlichen Widerstand in der Bevölkerung gegen die städtische Kulturpolitik und die auch durch Sie repräsentierte „Fremdherrschaft“ der Stadt.
Engert: Die Franken sind Beutebayern. Und wer eine Beute erwirbt, muss auch damit rechnen, dass die Beute nachher aktiv wird. Ich fühle mich sehr wohl hier und empfinde Ingolstadt als meine Heimatstadt. Ich möchte auch gerne hier bleiben und sehe mich keineswegs als Fremdkörper.
Wo soll Ingolstadt kulturell stehen, wenn Sie in den Ruhestand gehen?
Engert: Ich möchte gern die „Halle 9“ noch verwirklicht haben. Ebenso die ganzen Museums- projekte. Wir sind ja auch noch am Fleißerhaus dran. Das werden wir in den nächsten Jahren wohl auch zum Abschluss bringen. Und beim Donaumuseum will ich zumindest die Entwicklung soweit angestoßen haben, dass wir da einen Schritt weiter sind. Ein ganz wichtiger Punkt ist natürlich auch die Sanierung des Stadttheaters.
Wenn Sie nicht wiedergewählt werden sollten, dann . . .
Engert: ...kümmere ich mich um die Dinge, die jetzt aufgrund der hohen Arbeitsbelastung zu kurz kommen.