Der betrogene Bischof

Walter Mixa: Prominentes Opfer eines kuriosen Hochstaplers.

Ein prominenteres Opfer kann derzeit wohl kaum ein anderer Hochstapler vorweisen. Seit Donnerstag steht der 29-jährige Markus S. (Name von der Redaktion geändert) wegen zahlreicher Betrügereien und Amtsanmaßung in Ingolstadt vor Gericht und kann sich immerhin rühmen, den ehemaligen Eichstätter und Augsburger Bischof Walter Mixa über den Tisch gezogen zu haben.
Bei ihm war er einst Messdiener im Dom zu Eichstätt. Und das damals aufgebaute Vertrauensverhältnis genügte, um dem gestrauchelten Gottesmann mit einer Geschichte über die arme, kranke  Tochter und  seine eigene Leukämie rund 5000 Euro aus der Tasche zu ziehen.

Mixa war indes nicht der einzige, der auf Markus S. und seine „tragischen Geschichten“ hereinfiel. Auch zwei Ordensschwestern „beteiligten“ sich mit 1000 Euro an den „medizinischen Kosten“, die der in Eichstätt aufgewachsene Markus S. angeblich zu tragen hatte.

Ein wenig erinnerte die Verhandlung an einen Filmausschnitt von „Felix Krull“. Denn die Masche mit den dramatischen Familienkrankheiten war längst nicht die einzige Masche, mit der Markus S. unterwegs war.  Als Police-Officer Charly aus Haiwaii versuchte er nicht nur, die Damenwelt zu beeindrucken. Auch seine deutschen „Kollegen“ nahm er damit auf den Arm, ließ sich im Polizeiauto  chauffieren und ergaunerte in dieser Rolle ebenfalls Geld.
Ein anderes Mal war sein Vater im Pentagon beschäftigt, seine eigene Frau dem Kindbettfieber erlegen und er selbst nun alleinerziehender Vater, der gerade seine Kreditkarte verloren habe. Auch mit dieser Geschichte hatte Markus S. Erfolg.
Für die Zuschauer im Gerichtssaal war es in jedem Fall überaus unterhaltsam. Und ein Lachen konnten sich ab und an selbst die Richter nicht verkneifen bei den Münchhausiaden von Markus S. Selbst der Polizeibeamte zeigte Humor, als er den Angeklagten in der Pause mit den Worten mitnahm: „Dann führe ich den Kollegen halt wieder ab.“ (bp)

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