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London, Hamburg oder Wien?
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- Veröffentlicht am Dienstag, 07. Februar 2012 00:34
(stz) Maßgebliche Stadträte sagen ihre Meinung zum Umbau der Gießereihalle in das neue Museum für Konkrete Kunst. Wir trafen sie im Gasthaus Anker.
Die Entwürfe liegen auf dem Tisch. Das Preisgericht hat zwei Erste Preise vergeben: An das Londoner Büro Stanton Williams und an die Hamburger Architekten DFZ. Die Londoner lassen die Gießereihalle weitgehend unangetastet, setzten nur Anbauten daran (Bild). Das Hamburger Büro stülpt der Gießereihalle einen "Rucksack" über, vereint Alt und Neu zu einem neuen Bauwerk (Bild). Und dann gibt es noch einen Außenseiter: Querkraft aus Wien (Dritter Preis) lässt die Gießereihalle, wie sie ist: kein Anbau, kein Rucksack - die Ausstellungsräume wandern in das Untergeschoss (Bild).
Die gemeinste Frage kam am Schluss: Michael Schmatloch wollte von den Stadträten wissen, welchen Entwurf nach ihrer Ansicht die Bürger bevorzugen würden. "Die Ingolstädter wollen ihre Gießereihalle wieder erkennen; und das ist bei allen drei Entwürfen der Fall" ist sich Christel Ernst (FDP) sicher.
"Viele werden sich fragen, warum bauen wir überhaupt ein Museum" erklärte der "Ingolstädter Gerolfinger" (oder auch anderes herum) Hans Achhammer (CSU), um dann zu betonen, dass der Erhalt der Gießereihalle bei den Bürgern im Vordergrund stehe.
In vielen Gesprächen mit den Bürgern hat Simone Vosswinkel (ÖDP) den Eindruck gewonnen, dass es keine deutliche Mehrheit für einen Entwurf gibt, vielmehr die Sympathien zwischen den beiden Preisträgern des Ersten Preises verteilt sind.
Peter Gietl (FW) differnziert zwischen den "alten Ingolstädtern", bei denen der Erhalt der Gießereihalle im Vordergrund stehe und der "Künstlergruppe", die auch auf andere Kriterien Wert lege. Im Ergebnis sei aber das Baudenkmal, also die Gießereihalle, nach der langen Diskussion das Entscheidende..
Ganz anders Achim Werner (SPD). Er vermutet, dass den Ingolstädtern in einer hergerichteten Gießereihalle eine Markthalle die beliebteste Nutzungsart wäre. Wenn das aber nicht gehe, dann will er keine Prognose wagen, meint aber, dass die Vorbehalte des Denkmalschutzes gegenüber der Planung der Hamburger ("Rucksack") übertrieben seien. Die Kombination aus Alt und Neu "habe etwas".
Aber wie werden die Stadträte entscheiden? "Bei der CSU gibt es eine Tendenz zum Entwurf der Londoner" bekennt Hans Achhammer. Der WIener Entwurf überschreite mit circa 18 Millionen Baukosten den Kostenrahmen (15 Millionen) deutlich, scheide also schon deshalb aus und die Hamburger würden zu stark in das Baudenkmal eingreifen, was die Denkmalschützer nicht billigen würden. Allerdings wird sich die gesamte CSU-Fraktion in dieser Woche die Ausstellung mit allen Entwürfen im Rahmen einer Führung zu Gemüte führen. Und da kann es durchaus noch andere Meinungen in der Fraktion geben.
Peter Gietl vermutet, dass seine Fraktion hier nicht geschlossen abstimmen werde, vielmehr den einzelen Stadträten ein Entscheidungsspielraum gelassen werden wird. Er selbst tendiert wegen des Denkmalschutzes zum Londoner Entwurf, kann sich aber auch eine andere Lösung vorstellen.
Bei den anderen am Tisch hat es den Anschein, als ob die Hamburger "Rucksacklösung", aber auch die Planung der Wiener (Querkraft) Sympathien genießen. Besonders deutlich formuliert dies Achim Werner, der seine Vorliebe für den Hamburger Entwurf nicht verhehlt. So ist nach vorläufiger Einschätzung - diese Wertung sei erlaubt - nicht mit einer "Koalitionsmehrheit" zu rechnen, vielmehr ein spannendes "Rennen" zu erwarten.
Mehr dazu in der Wochenzeitung Blickpunkt und in der Sonntagsausgabe der stattzeitung.