Schloss mit lustig - kein Hägelschaden
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- Veröffentlicht am Donnerstag, 24. Mai 2012 22:14
(msc) Nach einer teilweise hoch emotionalen Diskussion beschloss der Stadtrat am Donnerstag nun endlich den Bebauungsplan für das Gießereigelände. Zum Stadtratstenogramm: hier.
Gegen sieben Stimmen von ÖDP, Grünen und der Linken ging der Bauantrag für das Kongresshotel neben den Neuen Schloss durch, obschon Petra Kleine noch eilig einen Antrag gestellt hatte, die Entscheidung abermals zu vertagen.
Hintergrund ihres Antrages war eine Bürgergefragung, deren Ergebnis sie vor der Stadtratssitzung dem Oberbürgermeister übergeben hatte und in der sich gut 600 Bürger gegen die Bebauung des Gießereigeländes in dieser Form ausgesprochen haben. Wenig genug, um daraus schließen zu können, dass das Interesse der Bevölkerung an diesem höchst umstrittenen Bauwerk geringer ist, als man vermuten könnte.
Beinahe wie zu erwarten, gerieten sich beim Thema Gießereigelände besonders Petra Kleine und Joachim Genosko mächtig in die Haare, warfen sich gegenseitig Unsachlichkeit und Stimmungsmache vor. „Es ist schon schwer, sich manchen anhören zu müssen“, meinte Petra Kleine, die sich noch einmal vehement für eine andere Verteilung der Baumassen aussprach. Auch wenn sie beteuerte, dass die Unterschriftenaktion kein Bürgerbegehren, sondern lediglich eine Bürgerbefragung gewesen sei, griff Joachim Genosko in gewohnter Manier voll in die Tasten. „Was Sie betrieben haben, ist, uns vorzutäuschen, dass da eine Massenbewegung über den Stadtrat hinwegrauscht.“
Achim Werner lenkte die Diskussion im auch temperaturmäßig sehr aufgeheizten Sitzungssaal des Rathauses dann wieder in sachlichere Gefilde. Er sprach sich zwar für einen zusätzlichen Fassadenwettbewerb aus, gestand aber auch, dass er „mit sehr gutem Gewissen“, dem Bauantrag zustimme. Und dies sei kein „Kniefall vor einem Investoren.“
Seinem Bekenntnis für eine qualitativ hochwertige Bebauung stimmte auch Peter Gietl von den Freien Wählern zu. „Was wir hier machen, ist ein völlig neues Stadtviertel auf einer ehemaligen Industriebrache zu errichten.“ Er zeigte sich heilfroh, „dass wir endlich an dieser Stelle stehen“ und den Beschluss fassen könnten. Für Gietl sei der vorliegende Bebauungsplan überaus gelungen. „Wir dürfen nichts tun, was die Realisierung gefährden könnte.“ Was die Baumassen beträfe, sei man jetzt an einer Grenze angelangt, von der aus es unmöglich sei, noch weiter zu reduzieren. „Die Stunde hat geschlagen“, meinte er ein wenig theatralisch, als es zur Abstimmung ging, von der er trotz aller Diskussionen sicher sein konnte, dass sie im Sinne von CSU und FW ausfallen würde.
Zu dieser Zeit hatte sich Petra Kleine längst emotional aus dem Gremium verabschiedet und verfolgte das Geschehen erkennbar genervt. Ihr Anliegen, die Entscheidung noch einmal hinaus zu zögern, war gescheitert. Zumindest sprang ihr Christel Ernst von der FDP in einem Punkt bei, als sie meinte, dass es in Sachen aktiver Bürgerbeteiligung ratsam sei, Veranstaltungen wie die bezirksasuschüsse ein klein wenig attraktiver zu machen.
Kein Hägelschaden
(hk) Für manche ist Joachim Hägel der Messias der Ingolstädter Stadtarchitektur, der das Neue Schloss und die Silhouette der Stadt vor teuflischem Machwerk in Gestalt des geplanten Hotel- und Kongresszentrums bewahren will. Und so führt er einen Kreuzzug gegen diese Planung und die dafür Verantwortlichen, denen er unterstellt, sie täuschten die Öffentlichkeit über die wahren Ausmaße des Gebäudes.
Der Stadtrat hat nun den von Hägel bekämpften Bebaungsplan als Satzung beschlossen. Es wird auf dem Gießereigelände ein Hotel- und Kongresszentrum entstehen. Das Hotel mit 160 Zimmern ist nicht gerade üppig; sehr knapp, um es wirtschaftlich zu betreiben und um bei Kongressen genügend Unterkünfte anzubieten. Hoffentlich wird man hier nicht wie bei der Glacis-Brücke später sagen: Mehr wäre besser gewesen. Natürlich hätte eine höhere Bettenzahl die Baumasse vergrößert. Ob es allerdings aus der so oft beschworenen Blick-Situation eines Fußgängers einen großen Unterschied macht, ob das Gebäude zwei Stockwerke mehr oder weniger hat, ist fraglich. Wer als Fußgänger die Schloßlände - von Osten kommend – Richtung Schloss begeht, der hat derzeit einen wunderbar freien Blick auf das Schloss, weil die hohe Mauer, die das Gießereigelände nach Süden begrenzte, zum Teil abgerissen ist. Der bliebe nur erhalten, wenn an der Ecke Roßmühlstraße/Schloßlände überhaupt kein Gebäude stünde, also eine Grünfläche oder Park wäre. Das aber wollte ernsthaft niemand und wäre wirtschaftlich auch nicht zu vertreten gewesen. Schließlich ist die IFG, also die Grundstückseigentümerin, zwar eine städtische Tochter, muss aber auch die wirtschaftliche Verwertbarkeit ihres Besitzes im Auge behalten.
Noch weniger als beim beschlossenen Bebauungsplan, der zwar keinen absolut freien Blick, aber immerhin eine Sichtachse vom Kavalier Dallwigk zum Schloss gewährleistet, hätte man vom Neuen Schloss gesehen, wenn der vor allem von der SPD und den Grünen in der Vergangenheit so sehr befürwortete „Wolkenbügel“ für das Museum für Konkrete Kunst verwirklicht worden wäre. Darauf wies FW-Fraktionschef Peter Gietl in der Stadtratsdebatte hin und Manfred Schuhmann (SPD) gab ihm spontan Recht. So fiel es der SPD – mit Ausnahme von Thomas Thöne – auch leichter, dem von CSU und FW gewollten Bebauungsplan zuzustimmen. Letzendlich hatten ja die Sozialdemokraten auch vor zwei Jahren dem einstimmig verabschiedeten Rahmenplan zugestimmt. Ein Außenstehender, der ohne Kenntnis der Vorgeschichte die Debatte verfolgte, konnte überhaupt den Eindruck gewinnen, dass diese Planung eine sozialdemokratische Vision verwirkliche. Während sich nämlich die Fraktionsführer der Koalition Joachim Genosko und Peter Gietl – sieht man von einem kurzen emotionalen Scharmützel zwischen Genosko und Petra Kleine ab – recht zurück hielten und den Bebauungsplan und sein Verfahren verteidigten, gingen Achim Werner und Manfred Schuhmann offensiver damit um. Insbesondere Manfred Schuhmann brachte seine Freude über den nach seiner Meinung erfolgreichen und glücklichen Abschluss der Planung für das Gießereigelände deutlich zum Ausdruck.
Unglückliche Verlierer sind die Grünen. Eigentlich waren sie es, die die Stadtratsmehrheit zu einer Sachdebatte zwangen und möglicherweise Verbesserungen bei der Planung durchsetzten. Durch ihre Strategie der Vertagung, die als Verschleppungstaktik wahrgenommen wurde und in der Bevölkerung auf geringe Resonanz stieß, gerieten ihre Sachbeiträge in Vergessenheit.
Dass Joachim Hägel, der den Bebauungsplan nicht verhindern konnte, bei der Kommunalwahl 2014 durch Bürgerfrust wieder aufersteht, ist eher unwahrscheinlich. Bei der CSU, deren Mitglied er ist, wird er kaum nominiert werden. Aber die Linke hat seine Plakate mit aufgehängt und Jürgen Siebicke moderierte Hägels Podiumsdiskussion. Vielleicht findet er dort eine neue politische Heimat.
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