Das Märchen vom fehlenden Parkplatz

(msc) Wann immer die Sprache auf die Innenstadt kommt, auf den Vergleich zu den Verhältnissen am Westpark oder dem Ingolstadt Village, sind die Parkplätze die meist verwendete Vokabel.  Beim Westpark und dem Village kostenfrei und in hinreichender Zahl vorhanden, dienen sie der Innenstadt immer wieder als Argument für fehlende Attraktivität und mangelnde Wettbewerbsgleichheit. Jede Diskussion wie beispielsweise die um die leidigen Stellplätze in der Theresienstraße zerschellt an dem Argument, dass die City auf keinen einizigen Platz verzichten kann. Ist das wirklich so? Haben wir tatsächlich zu wenig Parkplätze? Wir haben es einmal ausprobiert.

 

Über etwa 3300 Stellplätze verfügt der Westpark seit der Erweiterung. Innnenstadtnah zählt die IFG derzeit rund 5000 Plätze. Dazu kommt die Parkfläche an der Südlichen Ringstraße mit etwa 350 Plätzen. Nicht zu vergessen die Misch- und Kurzzonenplätze entlang der Straßen. Das macht noch einmal rund 780. Schließlich wird die Tiefgarage, die derzeit auf dem Gießereigelände entsteht, weitere 800 Stellplätze bieten.

 

Zu wenig oder doch eher ausreichend? FDP-Stadträtin Chris-tel Ernst ist der Meinung, dass die nackten Zahlen die Wirklichkeit verzerren. „Man sollte sich auch damit beschäftigen, von wem die Parkplätze genutzt werden“, so Christel Ernst, „während sie im Westpark fast ausschließlich den Besuchern zur Verfügung stehen, werden sie in der Innenstadt zum größten Teil von Anwohnern und Arbeitnehmern in Anspruch genommen.“ Ob der motorisierten Anwohner und der rund 15 000 Arbeitnehmer, die in der Innenstadt beschäftigt seien, bliebe den Besuchern zu wenig Parkmöglichkeit. „Wenn nicht sehr viele Arbeitnehmer außerhalb der Stadt in den Straßen der Wohnviertel parken würden, weil sie dort nicht bezahlen müssen, gäbe es noch nicht einmal genug Plätze für diesen Personenkreis“, so Christel Ernst.

 

Vor allem in den Vormittagsstunden komme es viel zu oft vor, dass alle Parkplätze belegt seien. „Wer dies einmal erlebt hat, kommt so schnell nicht wieder“, meint die Stadträtin.

Dass es in den Vormittagsstunden mal zu Engpässen kommen kann, räumt auch Jürgen Bernhardt von der IFG ein. „Wir haben Zeiten von neun bis maximal 13 Uhr, wo es sein kann, dass die Anlagen belegt sind“, so Bernhardt, der allerdings darauf verweist, dass die Tiefgaragen bereits „belegt“ anzeigten, obgleich noch Restplätze vorhanden seien. „Zu allen anderen Zeiten kriegen Sie immer einen Prkplatz.“ Außerdem sei die Belegung natürlich auch von der Jahreszeit abhängig.

Insgesamt indes findet Bernhardt, dass die Zahl der innenstadtnahen Parkplätze für Ingolstadt „genau richtig“ dimensioniert seien. Dem pflichtet im Prinzip auch IN-City bei. Geschäftsführer Bernd Wölfl spricht sich zwar für ein zusätzliches Parkdeck am Hallenbadparkplatz aus, fordert aber gleichzeitig die Intensivierung einer Park&Ryde-Anbindung innenstadtfernerer Parkflächen, um die Plätze in der Innenstadt von parkenden Arbeitnehmern zu entlasten. Zudem ist er für eine Intensivierung der Parkkostenrückerstattung durch die Gewerbetreibenden und der Einrichtungen in der Innenstadt.

 

„Hilfreich wären Maßnahmen wie beispielsweise weniger Veranstaltungen am Volksfestplatz“, meint er, „vor allem nicht während der Hauptsaisonzeiten.“ Zudem fordert er die Angleichung der so genannten „Semmeltaste“ unter- und oberirdisch auf 30 Minuten.

Mit einer schleichenden Verknappung der Parkplätze will er indes nicht ohne Ausgleich leben. „Das Angebot an Stellplätzen darf nicht reduziert werden, ohne in der näheren Umgebung neue Plätze zu schaffen“, so Wölfl.

 

Für IN-City wäre eine progressive Staffelung der Parkgebühren ein guter Ansatz. „Billige drei erste Stunden und teurere Folgestunden schaffen Frequenz“, meint der IN-City-Geschäftsführer, der sich auch klar gegen kostenfreies Parken in der Innenstadt ausspricht. „Freies Parken in der Innenstadt ist ein beliebter und immer wieder gern bemühter Vorschlag zur Stärkung der Attraktivität der Innenstadt.“ Für Wölfl würde der gegenteilige Effekt eintreten. „Kostenloses Parken in der Innenstadtwirkt sich eher schädlich auf die Frequenz aus. Auch wenn uns Ingolstädtern immer wieder eingebläut wird, dass Parken kostenfrei zu sein hat. Die Innenstadt ist kein Einkaufszentrum oder Baumarkt. Es leben eine Menge Menschen hier. Deswegen wären die kostenlosen Parkplätze ständig von Dauerparkern besetzt.“ Wenn die Stellplätze voll seien, können auch bei freiem Parken nicht mehr Kunden kommen. Er setzt deswegen lieber auf Parkkos-tenerstattung auf verträgliche Gebühren. Einzig eine gebührenfreie Zeit ab 17.30 Uhr könnte er sich vorstellen. „Das wäre eine Hilfe in den ohnehin frequenzschwachen Stunden.

 

Zahlenspiele und Verbesserungsvorschläge sind die eine, die Praxis die andere Sache. Deswegen haben wir es einfach einmal ausprobiert und das Stellplatzangebot in der Innenstadt am vergangenen Samstag und am Montag quasi stündlich mit Hilfe des SMS-Service der IFG abgerufen. Das Ergebnis ist einigermaßen überraschend. Obschon der Volksfestplatz wegen des Pfingstvolksfestes gesperrt war und deswegen 1437 weniger Parkplätze zur Verfügung standen, boten die Parkhäuser und Parkflächen zu jeder Zeit ausreichend freie Plätze.

 

Samstag, herrliches Wetter und zugleich wegen der Veranstaltung City-PS jede Menge los in der Innenstadt. Gegen acht Uhr waren 1895 Parkplätze frei, um zehn Uhr immer noch 1540 und gegen elf Uhr 1039. Den tiefsten Stand erreichte das Parkplatzangebot um 12 Uhr mit aber immer noch 659 freien Plätzen. Bei den vom SMS-Dienst beobachteten 3435 Stellplätzen waren also rund 19 Prozent frei. Auch am Nachmittag war die Situation eher entspannt, die Zahl der freien Plätze immer jenseits der 1000.

 

Etwas enger ging es dafür am Montag zu. Auch wenn zu keiner Zeit „Land unter“ gemeldet wurde, ging die Zahl der freien Plätze gegen elf Uhr immerhin auf 338 Einheiten herunter. Das allerdings war der absolute Tiefpunkt. Bereits zur Mittagsstunde waren es schon wieder 727. Die beliebtesten Parkeinrichtungen scheinen demnach die Tilly-Garage, die am Münster und die „Theater Ost“ zu sein. Dort ging die Zahl zur Hochzeit schon mal auf elf freie Plätze herunter, eine Situation, in der die Anzeigentafel bereits auf „belegt“ springt. Am Hallenbadparkplatz hingegen lag die Zahl der freien Plätze den ganzen Tag über zwischen 106 und 381.


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