Wohnungsknappheit -Was macht die Stadt?
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- Veröffentlicht am Donnerstag, 28. Juni 2012 22:09

(hk) Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle im Gespräch.
In der Öffentlichkeit wird immer wieder beklagt, es gebe zu wenig Wohnungen in Ingolstadt. Insbesondere wird behauptet, es würde zwar der Einfamilienhausbau gefördert, aber es gebe zu wenig Grundstücke für Mehrfamilien-/Miethäuser.
Renate Preßlein-Lehle: Wir sind dabei, unser Baulandentwicklungsprogramm zur Bereitstellung von mehr Bauflächen konsequent umzusetzen. So steht der Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan für das Gelände der ehemaligen Pionierkaserne bevor. Hier laufen schon Bauanträge. Die Bauwerber warten darauf, dass wir in die Sitzung gehen und die Planreife feststellen. Sobald diese festgestellt ist, können wir die Baugenehmigungen erteilen. Gerade auf dem Gelände der ehemaligen Pionierkaserne entstehen überwiegend Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen. Es gibt da nur wenige Einfamilienhäuser.
Und in den Ortsteilen?
Preßlein-Lehle: Richtig ist natürlich, dass in den Ortsteilen, die zum Teil von einer ländlichen Bebauung geprägt sind, in erster Linie Einfamilienhäuser geplant und gebaut werden. Aber auch zum Beispiel in Rothenturm sieht der neue Bebauungsplan „Am Eichelanger“ Reihenhäuser vor. Größere Mehrfamilienhäuser wären hier für die Ortsentwicklung nicht angemessen. In anderen Ortsteilen, die mehr städtisch geprägt sind, wie zum Beispiel in Friedrichshofen, haben wir einen Geschoss-Wohnungsbauanteil von ungefähr 50 %.
Hier ist das Bebauungsgebiet so groß, dass Einzel-, Reihen- und Mehrfamilienhäuser gut aufeinander abgestimmt angeordnet werden können. Ebenso wie beim Bebauungsplan für Zuchering-Ost ist hier für den Herbst 2012 der Abschluss des Bauleitplanverfahrens vorgesehen. Insgesamt entsteht in beiden Gebieten Raum für etwa 1250 Bewohner. Auf dem Gelände der ehemaligen Pionierkaserne ist der Anteil des Geschosswohnungsbaus natürlich noch höher und hier kann am schnellsten jetzt mit dem Bauen auch begonnen werden.
Wie viele Menschen werden künftig auf dem Gelände der ehemaligen Pionierkaserne eine Wohnung finden?
Preßlein-Lehle: Nach unseren Planungen werden hier auf einer Fläche von 12,85 ha circa 400 bis 500 Wohneinheiten entstehen. Das sind Wohnungen für insgesamt circa 800 Menschen.
Was tut sich auf dem Bayernoil-Gelände?
Preßlein-Lehle: Die Verwaltung wurde vom Stadtrat beauftragt, mit den Siegern des Europan 11 ihren Entwurf weiter zu entwickeln. Es hat hier bekanntlich einen Wettbewerb gegeben; dabei konnten junge Architekten für ein Areal von 75 ha eigene Vorstellungen entwickeln. Um die Bedeutung richtig einordnen zu können: Das Gelände ist fast so groß wie die gesamte Altstadt. Das Thema des Wettbewerbs lautete: „Vom Brachland zum städtischen Leben“. Gewonnen hat der Entwurf „Ammerang“ der Architekten Sebastian Ballauf, Francesca Fornasier und Max Ott aus München. Deren Konzept sieht vor, neben dem Fußballstadion drei „Entwicklungskerne“ zu errichten. Darunter sind innovative Bauwerke – Großbauten - für Bildungseinrichtungen, Gewerbe und Freizeitanlagen zu verstehen. Dazwischen liegt ein „grünes Band“, ein Landschaftsband. Über die Lage dieses „grünen Bandes“ haben wir letzte Woche diskutiert und uns gefragt, ob man das nicht so legen kann, dass es gleichzeitig einen Puffer darstellt zum Naturschutzgebiet hin. Wie das Gelände dann letztendlich gebaut wird, ob und in welchem Umfang Wohnflächen entstehen, ist dann erst der zweite Schritt. Aber selbstverständlich wird geprüft, wie die Vorstellungen des Naturschutzes bei diesem Konzept berücksichtigt werden.
Im Anschluss an die letzte Sitzung des Gestaltungsbeirates haben Sie erklärt, dass wegen der Fassade jetzt ein so genanntes „gutachterliches Verfahren“ durchgeführt werden soll. Was hat das zu bedeuten?
Preßlein-Lehle: Die Gestaltung der Fassade war natürlich schon immer ein Thema. Sie trägt wesentlich zur Gesamtansicht und Wirkung bei. Aus diesem Grunde sollen nun weitere Vorstellungen anderer Architekten eingebracht werden. Dieses Verfahren hat sich beim Erweiterungsbau des Medizinhistorischen Museums sehr bewährt. Wir sind hier in Ingolstadt inzwischen schon sehr daran gewöhnt - es werden meist mehrere Entwürfe eingeholt, so dass wirklich eine Auswahl besteht. Das ist fast wie bei manchen Frauen: Sie haben sich tolle Schuhe gekauft und fragen sich ständig: gibt es vielleicht noch tollere Schuhe? Ich möchte in diesem Zusammenhang auch nochmals auf die derzeitige Ausstellung zu den Entwürfen des neuen Hallenbades verweisen. Doch im Ernst: Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass die Baumasse nicht zur Disposition steht. Es geht vielmehr darum, wie wird die Fassade gestaltet, wie wird das Gebäude gegliedert. Material der Fassade, Unterteilungen und Ablesbarkeit der Zimmerstruktur, die Ausbildung des Sockelgeschosses und des obersten Stockwerks werden in einem „gutachterlichen Verfahren“ zur Diskussion gestellt.
Wird dies zu einer erheblichen zeitlichen Verzögerung bei der Realisierung des Projekts führen?
Preßlein-Lehle: In den Medien war ja zu lesen, dass bereits im Juli 2012 die Baugenehmigung für das Hotel- und Kongresszentrum im Stadtrat behandelt werde. Davon war nie die Rede. Es liegt überhaupt noch kein Bauantrag vor. Überdies muss man der Verwaltung bei einem so komplexen Bauvorhaben auch die übliche Zeit zur Prüfung lassen. Da geht es ja auch um so schwierige und wichtige Themen wie Brandschutz etc. .
Was wird denn zu sehen sein, wenn im März 2014 die Kommunalwahlen stattfinden?
Preßlein-Lehle: Ich gehe nicht davon aus, dass bis dahin das Kongresszentrum fertig sein kann. Vermutlich werden das Museum für Konkrete Kunst und Design, die Fachhochschule und das Kongresszentrum in der Bauphase sein.
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