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"Das Nordufer war Verteidigungslinie"
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- Veröffentlicht am Freitag, 23. Dezember 2011 17:09

Interview mit Ehrenbürger Peter Schnell.
Auf einen interessanten Aspekt weist Ingolstadts Ehrenbürger Peter Schnell in der "Donau-Debatte" hin. Die Stadt war auf der Nordseite der Donau zum Ufer hin schon immer "verschlossen", weil es die Verteidigungslinie war. Selbst das Stadttheater öffnet sich nicht zur Donau sondern zur Stadtseite.
Das Interview:
Was waren für Sie, Herr Schnell, rückblickend wichtige Ereignisse des letzten Jahres ?
Ich erlebe jetzt im Jahr 2011 die Stadt Ingolstadt intensiver als Bürger und nicht wie früher als Vertreter der Bürger. Aber die Stadt und ihre Menschen und ihre Kultur sind das, was mich, meine Familie und meinen Freundeskreis am meisten beeindruckt und tagtäglich motiviert.
Da ich persönlich im Verein der Theaterfreunde tätig bin, hat mich der grandiose Start des Stadttheaters mit dem neuen Intendanten Knut Weber sehr erfreut. Der neue Mann hat nicht nur das Theater, sondern auch die Stadtgesellschaft und das Umland im Visier. Das hat mich beeindruckt und fasziniert.
Ein zweiter erfreulicher Punkt ist für mich der neue Chef des Georgischen Kammerorchesters. Wir waren ja glücklich mit Ariel Zuckermann. Ich habe immer gesagt: Er ist personifizierte Musik. Doch ich bin überaus erfreut über die Wahl von Lavard Skou Larsen. Die Georgier sind durch das Engagement vieler Ingolstädter Bürger und die Art, mit ihrer Musik viele Menschen zu gewinnen, quasi mit uns „verschmolzen“.
Sehr positiv sind die geringe Arbeitslosigkeit und das Ende der Geldnot. Es gab in Bayern eine sehr hohe Arbeitslosigkeit bis in die siebziger Jahre und in Ingolstadt herrschte Geldnot; es kam kaum Geld vom jetzt größten Steuerzahler. Wenn man sich heute Ingolstadt anschaut, gibt es alles in Hülle und Fülle: ganz niedrige Arbeitslosigkeit und Steuereinnahmen, die wie Goldtaler vom Himmel fallen. Dabei bin ich auch sehr froh darüber, dass den Verantwortlichen der Stadt bei all dem Segen durch Audi und VW durchaus bewusst ist, dass es auch schlechtere Zeiten geben wird. Es kann eines Tages in dieser monostrukturierten Region schon vieles einbrechen.Und deshalb ist es wichtig , dass wir uns auch für diese Zeiten vorsehen. Einmal durch eine ganz niedrige Verschuldung und zum anderen auch dadurch, dass wir die Attraktivität der Stadt weiter steigern, z. B. auch die zentrale Lage in Bayern besser präsentieren. Aber es läuft gut. Wir arbeiten daran; ein Kongreßzentrum ist in Planung. Und die Fachhochschule hat sich in den letzten Jahren blendend weiterentwickelt und wird weiter wachsen.
Was würden Sie sich und der Stadt Ingolstadt in Zukunft wünschen ?
Ich sehe unsere Stadt insgesamt auf einem guten Weg. Das Ziel muss sein, das, was in unserer Stadt vorhanden ist an guter Qualität, noch stärker herauszustellen. Die Attraktivität der Stadt kann noch erhöht werden. Positiv ist, dass die Dollstraße und die Milchstraße wieder neu entdeckt worden sind. In vielen kleinen Gassen und kleinen Straßen sollte noch viel mehr bürgerliches Engagement herrschen. Aber es geht insgesamt darum, dass die Geschäftsleute in einen Wettbewerb der Kundenfreundlichkeit gehen und besser zusammenarbeiten. Mehr Zusammenarbeit, das ist der Vorteil des Westparks. Dort ist die Zusammenarbeit organisiert.
Ist Ingolstadt eine Stadt an der Donau?
Die Donau, das ist ein neues Thema. Wir haben die Menschen zunächst mit der Landesgartenschau und dem Klenzepark an das Südufer gebracht. Das Nordufer war nicht zur Donau hin „offen“. Es war ja zunächst Verteidigungslinie. So ist auch das Stadttheater, von einem ausgezeichneten Architekten errichtet, der Innenstadt zugewandt - weg von der Donau. Zu den neuen Plänen: Eine Untertunnelung der Schloßlände ist nicht finanzierbar, eine Umleitung des Verkehrs nicht zumutbar. Man kann vielleicht den Verkehr etwas einengen, um Platz für eine Promenade zu haben. Dort, wo jetzt Parkplatz ist, muss man zumindest am Rand eine städtische Bebauung anbringen. Die Leute legen sich nicht auf die grüne Wiese, um die Donau anzuschauen. Das muss städtisches Erlebnisfeld werden. (nm/hk)
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